Die Burg und das archäologische Museum
Wenn man von der Straße Calle Hospital aus die Treppen neben dem Rathaus hinaufsteigt, dann die Straße Calle La Brecha überquert und gleich links den zweiten Treppenabschnitt weiter hinaufsteigt, kommen wir zu der engen Straße Calle del Cid. Wenn wir dort nach rechts schauen, sehen wir schon die Burg von Dénia.
Zu beiden Seiten des Zugangsportals sehen wir jeweils einen Turm, zum einen den Turm Torre Roja, ein Turm zur Verteidigung aus dem XV. Jahrhundert, dessen Name sich aus dem Baumaterial herleitet, das bei seinem Bau verwendet wurde, nämlich rötlicher Sandstein, der vor Ort abgebaut wurde, und zum anderen denTurm Torre del Cos de Guardia, derzur Zeit der Araber im XII. Jh. errichtet, aber im XVI. und XVII. Jahrhundert größtenteils umgebaut wurde. In diesem Turm taten Wächter ihren Dienst, die den Zugang zur Burg kontrollierten.
Das Zugangstor im islamischen Almohadenstil wurde Portal de la Vila (Stadttor) genannt und später mehrmals umgebaut. An der Außenseitesehen wir flache Spitzbögen im Almohadenstil, und im Innern befindet sich ein Tonnenbogen, von dem ein Teil des
Originals noch erhalten ist. Dieses Tor trennte die arabische Moschee von der Burg.
Nachdem wir das innere Umfeld der Burg betreten haben, sehen wir neben der Kasse den Turm Torre del Consell aus dem XV. Jahrhundert, also unter der Herrschaft der Christen erbaut. In diesem Turm versammelte sich der Gemeinderat, um über die Belange der Stadt zu debattieren, um Beschlüsse zu fassen und zu organisieren.Allerdings kann man an den Schießscharten des Turmes erkennen, daß dieser in zweiter Linie auch Verteidigungszwecken diente.
Zur Burg geht es immer bergauf. Wir haben zwei Möglichkeiten: entweder gehen wir über den mit Steinen gepflasterten Weg zur Linken oder über eine geteerte Straße.
Wenn wir die geteerte Straße wählen, gehen wir durch das gesamte Gebiet, in dem sich zur Zeit der Christendie Altstadt (Vila Vella) befand.In diesem Gebiet, wo sich während der Herrschaft der Araber die Festung Al-bacar befand, war zu Zeit der Christen ein Teil der Stadt angesiedelt, weil sie hier mehr Schutz fand.
Beim Aufstieg zur Burgüberrascht die herrliche Aussicht auf die Stadt Dénia, die sich nach und nach vor uns ausbreitet und uns einen Blick auf einen Teil der Stadt und den Hafen, den Naturpark Montgó, die Strände und Buchten erlaubt.
Nachdem wir den höhergelegen Teil der Burg erreicht haben, sehen wir den Vorplatz Explanada del Gobernador und den Palast Palau del Gobernador, in dem gegenwärtig das Archäologische Museum untergebracht ist.
Hier, auf dem Vorplatz Explanada del Gobernador,richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf ein niedriges Gebäude.An der senkrechten Fassade, den Treppen imImperialstil (ein umgekehrtes T) und den zwei Reihen von halb zerfallenen Türmchenkönnen wir erkennen, daß wir vor dem Archäologischen Museum der Stadt stehen.
Beim Besuch des Archäologischen Museums kann man sich vorstellen, wie Dénia wohl entstanden ist,wie das Stadtbild des DianiumRomanum,das Arabische Daniya und das dazugehörende Teilreich (Taifa) sowie die Markgrafschaft Dénia ausgesehen haben mögen und wie die Rückeroberung durch die Christen sich wohl abgespielt haben mag.
Das Museum ist in 4 Bereiche unterteilt, wo jeweils die iberische, römische, muslimische und christliche Epoche dargestellt sind. Das Balsamarium (ein antikes Salbfläschchen), das den Gott Merkur darstellt, die Sammlung von islamischen Bronzefiguren, von denen vielen aus dem Orient stammten (XI. – XII. Jh.) der „Ataifor", ein kleines, rundes Tischchen ausQayrawân mit einer Darstellung eines Schiffes des maurischen Spanien, der Schatz von Las Rotas aus dem XV. Jahrhundert, die maurisch-spanische Münzsammlung oder Keramiken, die vor Ort hergestellt oder importiert wurden, bilden die Grundlage der Ausstellungsphilosophie des Museums, die immer mit dem Meer und den Beziehungen zwischen unterschiedlichen Kulturen verbunden ist.
Nachdem wir das Archäologische Museum besucht haben und wir wieder auf dem Vorplatz Explanada del Gobernador stehen, ist es angebracht, die Sommerkonzerte „Música al Castell" zu erwähnen, die hier in bestimmten Sommernächten stattfinden und die uns volkstümliche Rhythmen aus anderen Ländern und Regionen nahe bringen. Außerdem wird hier auf dem Platz während des Festes der Mauren und Christen (Fiestas de Moros y Cristianos) eine Scheinschlacht zwischen diesen ehemals verfeindeten Gruppen ausgetragen.
Zur rechten Seite fällt unser Blich auf ein Gebäude mit der Bezeichnung Quarter dels Infants, das ehemals die Funktion einer Lagerhalle oder eines Quartiers für einen ständigen Verteidigungstrupp hatte.
Auf der gegenüberliegenden Seite, links vom Museum, sehen wir einige Bögen, die darauf hinweisen, daß dort früher ein Zugangstor stand. Es handelt sich um das Tor Portal del Baluart mit drei Bögen aus drei unterschiedlichen Zeitabschnitten und um den Turm Torre del Baluart, zusammenein Verteidigungsbollwerkvon großer strategischer Bedeutung, da von dort aus der Zugang zum Bereich um den Palast (XVIII. Jh.) herum kontrolliert wurde.
Wenn wir entsprechendes bequemes Schuhwerk tragen, gehen wir von hier aus über den mit Steinen gepflasterten Weg zurück. Pferde hatten wegen der starken Krümmung des Weges Schwierigkeiten, zur Burg zu gelangen.
Wenn wir diesen Weg hinuntergehen, sehen wir die Punta del Diamant, ein Verteidigungsbollwerk, das seinen Namen der Ähnlichkeit mit einem Diamanten verdankt.
Wenig später stoßen wir auf ein offenes Gelände, auf dem während der Herrschaft der Christen die Kirche Iglesia de la Vila Vella stand. Diese wurde so stark zerstört, das gegenwärtig ohne weitere archäologischen Ausgrabungen vor Ort nicht das geringste Überbleibsel vorzuzeigen ist. Allerdings kann man dank der zur Verfügung stehenden Dokumente mit ziemlicher Sicherheit sagen, daß die Kirche neben dem Bollwerk „Punta de Diamant" und südlich des mittelalterlichen christlichen Friedhofs „Fossar" stand.
Wenn wir den mit Steinen gepflasterten Weg weiter hinabgehen, erblicken wir das Aljub, eine Zisterne, die zum Sammeln von Regenwasser diente. Nach der Zisterne gelangen wir wieder zum Ausgangspunkt.Dieser mit Steinen gepflasterte Weg aus dem XIV. Jahrhundert war der einzige Zugang für Fuhrwerke und galt als Hauptstrasse.
Nach einem kurzen Stück stehen wir dann vor dem Eingang zum Burgbereich, und unsere Burgbesichtigung ist zu Ende.